Eine
kleine Katzengeschichte
Von
Joana Angelides
Im nebligen London des Jahres 1883 lebte der junge Künstler Louis Wain mit
seiner geliebten Ehefrau Emily in einem kleinen, aber gemütlichen Haus am Rande
der Stadt. Die beiden hatten nicht viel, aber sie hatten einander und die Liebe
zur Kunst. Eines regnerischen Herbsttages fand Emily ein kleines, zitterndes
Kätzchen vor ihrer Tür. Seine großen, leuchtenden Augen blickten sie voller
Hoffnung an.
"Louis, wir können ihn nicht einfach draußen lassen", sagte Emily
sanft, als sie das Kätzchen in ihre Arme nahm. Ihr Mann lächelte und strich
vorsichtig über das klamme Fell des Tieres.
"Dann soll er unser Peter sein", entschied Louis, und so fand das
Kätzchen ein Zuhause.
Von diesem Tag an wurde Peter nicht nur ein treuer Gefährte, sondern auch
die Muse von Louis Wain. Stunde um Stunde verbrachte der Künstler damit, ihn zu
beobachten, seine Bewegungen auf Papier festzuhalten. Bald malte er Peter nicht
mehr nur als einfaches Kätzchen, sondern als verspieltes Wesen mit menschlichen
Zügen – aufrecht stehend, Tee trinkend, lächelnd. Seine Bilder wurden immer
bekannter und brachten den Menschen Freude.
Doch das Glück der kleinen Familie währte nicht lange. Emilys Krankheit
schritt unaufhaltsam voran, und bald konnte selbst Louis’ Kunst die Schatten
nicht mehr vertreiben. Eines kalten Winterabends nahm sie seine Hand und
flüsterte: „Male weiter, Louis. Lass die Welt sehen, wie besonders Katzen sind.
Wie besonders unsere Peter ist.“ Und mit einem sanften Lächeln schlief sie für
immer ein.
Louis' Herz zerbrach an diesem Verlust. Doch Peter blieb an seiner Seite,
schmiegte sich an ihn in stiller Gesellschaft. In seiner Trauer malte Louis
weiter – immer größere Augen, immer lebendigere Farben. Seine Katzen wurden
wilder, ihre Muster verwoben sich mit verschlungenen Ornamenten. Die Menschen
liebten seine Bilder, doch sie verstanden nicht, dass sie das Echo seines
gebrochenen Herzens waren.
Jahre vergingen, und Louis verlor sich immer mehr in seiner Welt der Farben
und Formen. Schließlich wurde er in eine Anstalt gebracht, doch sein Geist
lebte weiter in seinen Bildern. Der Garten, den man ihm dort ließ, wurde bald
von Katzen bevölkert – vielleicht ahnten sie, dass hier jemand war, der sie
verstand.
Und so saß Louis oft in der Sonne, ein Kätzchen auf dem Schoß, und blickte
mit sanftem Lächeln in eine Welt, die ihn vielleicht nicht mehr verstand – doch
in der seine Katzen für immer weiterlebten.
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